Die AfD liegt stabil bei 25 bis 27 Prozent. Sie ist kein vorübergehender Wutausbruch mehr, sondern eine dauerhafte politische Kraft. Diese mehrteilige Reihe fragt, warum autoritäre Angebote in einer demokratischen Ordnung an Attraktivität gewinnen, welche strukturellen Ursachen dahinterstehen und welche Verantwortung auch demokratische Parteien selbst tragen.

Einleitung zur Reihe

Die Zahlen sind bekannt, aber ihre Bedeutung wird oft unterschätzt. In nahezu allen aktuellen Sonntagsfragen zur Bundestagswahl liegt die AfD stabil zwischen 25 und 27 Prozent. Diese Werte schwanken kaum. Sie brechen nicht ein. Sie reagieren nicht empfindlich auf Skandale, Personalwechsel oder Regierungsentscheidungen.

Das ist der entscheidende Punkt. Die AfD ist kein Protestphänomen mehr. Sie ist keine kurzfristige Reaktion auf ein einzelnes Thema, keine momentane Zuspitzung, keine vorübergehende Verweigerungshaltung. Sie ist für einen erheblichen Teil der Wählerschaft zu einer dauerhaften politischen Option geworden.

Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr mit Migration allein erklären. Nicht mit wirtschaftlichen Zyklen. Und auch nicht mit dem Verschleiß einer bestimmten Regierung. Die aktuelle Bundesregierung unter Führung von Friedrich Merz ist erst seit Mai 2025 im Amt. Die Stärke der AfD ging ihr voraus und reicht weit über sie hinaus.

Wer die AfD weiterhin als vorübergehenden Wutausbruch beschreibt, verwechselt Analyse mit Hoffnung. Die Partei profitiert nicht von einem einzelnen politischen Moment, sondern von strukturellen Verschiebungen im politischen System. Zu diesen Verschiebungen gehören auch Versäumnisse demokratischer Parteien, Institutionen und politischer Routinen selbst.

Auffällig ist dabei nicht nur die Höhe der Zustimmung, sondern ihre Stabilität. Unabhängig vom Institut, von der Erhebungsmethode oder vom politischen Tagesgeschehen bewegen sich die Ergebnisse in einem engen Korridor. Die AfD lebt nicht mehr von Empörungsspitzen. Sie ist in der politischen Normalität angekommen.

Genau hier setzt diese Reihe an.

Sie versucht nicht, Schuldige zu benennen, sondern Bedingungen zu verstehen. Sie fragt, warum autoritäre Angebote in einer demokratischen Ordnung an Attraktivität gewinnen. Warum einfache Erzählungen gegen komplexe Realität bestehen. Warum Radikalität wählbar wird, ohne sich zu mäßigen. Und warum demokratische Politik darauf oft hilflos reagiert.

Dabei geht es nicht um moralische Urteile, sondern um Mechanismen. Um mediale Logiken, politische Kommunikation, institutionelle Schwächen und kulturelle Verschiebungen. Ein Teil der Analyse wird auch historische Vergleiche einbeziehen. Nicht, um die AfD pauschal mit der NSDAP gleichzusetzen, sondern um strukturelle Parallelen in politischen Funktionsweisen sichtbar zu machen. Solche Vergleiche sind unbequem, aber notwendig, wenn Geschichte nicht als abgeschlossene Episode verstanden werden soll.

Diese Texte richten sich nicht an Menschen, die schnelle Antworten suchen. Sie richten sich an Leserinnen und Leser, die verstehen wollen, wie demokratische Systeme schrittweise an Substanz verlieren können, ohne formell abgeschafft zu werden. Und warum autoritäre Politik nicht trotz, sondern wegen bestimmter demokratischer Schwächen an Attraktivität gewinnt.

Die AfD ist kein Betriebsunfall einer bestimmten Regierung. Sie ist ein Symptom tiefer liegender Entwicklungen. Wer dieses Symptom bekämpfen will, ohne die Ursachen zu verstehen, wird scheitern.

Diese Reihe ist ein Versuch, genau das nicht zu tun.

Serie: Die AfD, autoritäre Politik und die Krise der deutschen Demokratie

Diese Beiträge gehören zu einer zusammenhängenden Analyse über den Aufstieg autoritärer Politik, die Rolle der AfD und die strukturellen Herausforderungen demokratischer Gesellschaften. Jeder Text ist eigenständig lesbar, entfaltet seine volle Wirkung jedoch im Zusammenhang der gesamten Reihe.

Prolog

Warum autoritäre Politik wieder attraktiv wird

https://f97.be/blog/2026/01/15/afd-kein-protestphaenomen-einleitung.html

Teil 1: Warum die AfD unabhängig von Regierungswechseln wächst

https://f97.be//blog/2026/01/15/afd-unabhaengig-von-regierungswechseln.html

Teil 2: Die AfD als Symptom, nicht als Ursache

https://f97.be//blog/2026/01/16/afd-symptom-nicht-ursache.html

Teil 3: Medien, Aufmerksamkeit und die Logik der Empörung

https://f97.be//blog/2026/01/16/afd-medien-aufmerksamkeit-empoerung.html

Teil 4: Die AfD und ihre innere Struktur

https://f97.be//blog/2026/01/16/afd-innere-struktur.html

Teil 5: Historische Vergleiche: AfD und NSDAP, was vergleichbar ist und was nicht

https://f97.be//blog/2026/01/17/afd-nsdap-vergleich.html

Teil 6: Warum die AfD eine reale Gefahr für die Demokratie ist

https://f97.be//blog/2026/01/17/afd-demokratie-gefahr.html

Teil 7: Warum Verbote, Empörung und Ignorieren nicht reichen

https://f97.be//blog/2026/01/17/afd-reaktionen-reichen-nicht.html

Teil 8: Was stattdessen notwendig wäre

https://f97.be//blog/2026/01/17/demokratie-staerken.html

Epilog: Warum diese Reihe notwendig war

https://f97.be//blog/2026/01/17/epilog-demokratie-politische-bildung.html