Co-located Storage bezeichnet einen Speicher, der am selben Standort oder am selben Netzanschluss wie eine Erzeugungsanlage betrieben wird. In der Praxis sind damit meist Batteriespeicher gemeint, die zusammen mit einem Solarpark, einem Windpark oder einer Kombination aus beidem geplant, angeschlossen und vermarktet werden. Der Speicher ist räumlich und betrieblich eng mit der Erzeugungsanlage verbunden, bleibt technisch aber eine eigene Anlage mit eigener Leistung, Kapazität, Steuerung und Abrechnung.
Die zentrale technische Größe ist nicht allein die Speicherkapazität in Kilowattstunden oder Megawattstunden. Ebenso wichtig ist die Leistung des Speichers in Kilowatt oder Megawatt, also die Geschwindigkeit, mit der er laden oder entladen kann. Ein Batteriespeicher mit 20 Megawatt Leistung und 40 Megawattstunden Kapazität kann bei voller Leistung etwa zwei Stunden lang Strom abgeben. Bei Co-located Storage kommt zusätzlich die Leistung des gemeinsamen Netzanschlusses hinzu. Gerade diese Größe bestimmt, wie viel Strom aus Erzeugungsanlage und Speicher gleichzeitig in das Netz eingespeist werden kann.
Ein Co-located Storage ist deshalb von einem alleinstehenden Speicher zu unterscheiden. Ein alleinstehender Speicher wird unabhängig von einer konkreten Erzeugungsanlage an einem Netzknoten betrieben und lädt seinen Strom typischerweise aus dem Netz. Ein Co-located Storage kann ebenfalls aus dem Netz laden, muss es aber nicht. Häufig wird er so ausgelegt, dass er Strom aus der benachbarten Photovoltaik- oder Windanlage aufnimmt, wenn die Erzeugung hoch ist oder der Netzanschluss ausgelastet wäre. Ob der Speicher ausschließlich erneuerbaren Strom speichert oder auch Netzstrom nutzt, ist keine Frage des Begriffs, sondern des Messkonzepts, der Vermarktung und der regulatorischen Vorgaben.
Auch vom Begriff Hybridkraftwerk muss Co-located Storage sauber getrennt werden. Ein Hybridkraftwerk verbindet mehrere technische Anlagen zu einem gemeinsamen Betriebs- und Vermarktungskonzept, etwa Photovoltaik, Windenergie und Batterie. Co-located Storage beschreibt zunächst nur die räumliche oder anschlusstechnische Kopplung von Erzeugung und Speicher. Ein gemeinsam geplanter Solarpark mit Batteriespeicher kann also ein Hybridkraftwerk sein, muss aber nicht in jedem Markt- oder Rechtszusammenhang als solches behandelt werden.
Technisch gibt es unterschiedliche Kopplungen. Bei einer AC-seitigen Kopplung sind Erzeugungsanlage und Speicher jeweils mit eigenen Wechselrichtern auf der Wechselstromseite verbunden und teilen sich den Netzanschluss. Bei einer DC-seitigen Kopplung wird der Speicher auf der Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage eingebunden. Das kann Umwandlungsverluste verringern und Komponenten sparen, bindet den Speicher aber enger an die konkrete Erzeugungsanlage. Die Wahl der Kopplung beeinflusst Wirkungsgrad, Steuerbarkeit, Nachrüstbarkeit, Messung und Genehmigung. Für die energiewirtschaftliche Bewertung reicht die Aussage „Batterie neben Solarpark“ daher nicht aus.
Die praktische Bedeutung von Co-located Storage entsteht aus der Knappheit und dem Wert von Netzanschlüssen. Viele erneuerbare Anlagen erreichen ihre maximale Einspeisung nur in wenigen Stunden des Jahres. Ein Solarpark speist mittags stark ein, nachts gar nicht. Ein Windpark hat andere Profile, aber ebenfalls schwankende Einspeisung. Wird ein Speicher am selben Anschluss betrieben, kann er Strom aufnehmen, wenn die Erzeugung den Netzanschluss überlasten würde oder wenn Marktpreise niedrig sind. Später kann er einspeisen, wenn der Anschluss frei ist, die Nachfrage höher liegt oder Systemdienstleistungen benötigt werden.
Damit verschiebt sich die Frage von der maximal installierten Erzeugungsleistung zur nutzbaren Anschlusskapazität über die Zeit. Ein Solarpark mit 100 Megawatt Modulleistung und einem Netzanschluss von 70 Megawatt muss Erzeugung oberhalb dieser Grenze abregeln, wenn kein Speicher vorhanden ist. Ein Co-located Storage kann einen Teil dieser sonst verlorenen Energie aufnehmen. Er ersetzt dadurch keinen Netzausbau, kann aber die Ausnutzung eines vorhandenen Anschlusses verbessern. Besonders relevant wird das in Regionen, in denen geeignete Flächen vorhanden sind, Netzanschlüsse aber lange Planungs- und Genehmigungszeiten haben.
Wirtschaftlich hängt der Nutzen eines Co-located Storage von mehreren Erlösquellen ab. Der Speicher kann Preisunterschiede zwischen Stunden nutzen, indem er bei niedrigen Preisen lädt und bei höheren Preisen entlädt. Er kann Regelenergie oder andere Systemdienstleistungen bereitstellen, soweit Präqualifikation und technische Anforderungen erfüllt sind. Er kann Abregelung der benachbarten Erzeugungsanlage verringern und die Vermarktung planbarer machen. In manchen Konstellationen kann er auch helfen, vertragliche Lieferprofile aus einem Stromabnahmevertrag einzuhalten. Diese Erlösquellen lassen sich nicht beliebig addieren, weil derselbe Speicher zur selben Zeit nur begrenzt verfügbar ist. Wer Regelenergie vorhält, kann diese Leistung nicht gleichzeitig vollständig für Arbitrage am Strommarkt nutzen.
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, Co-located Storage automatisch als Netz entlastende Lösung zu betrachten. Der Speicher kann den Anschluss glätten und lokale Einspeisespitzen reduzieren. Er kann aber auch zusätzliche Last erzeugen, wenn er aus dem Netz lädt, oder zusätzliche Einspeisung zu Zeiten erzeugen, in denen der Netzabschnitt bereits belastet ist. Die Wirkung hängt vom Betriebsmodus ab. Ein Speicher, der rein nach Börsenpreisen optimiert wird, reagiert auf Preissignale des Großhandelsmarkts, nicht zwingend auf lokale Netzengpässe. Für eine netzdienliche Wirkung braucht es passende Netzanschlussbedingungen, Steuerungsvorgaben, Anreize oder Märkte für lokale Flexibilität.
Ein zweites Missverständnis betrifft die Herkunft des gespeicherten Stroms. Steht eine Batterie neben einem Solarpark, heißt das nicht automatisch, dass jeder ausgespeiste Strom aus Solarenergie stammt. Ohne geeignetes Mess- und Bilanzierungskonzept kann Strom aus der Anlage, aus dem Netz oder aus beiden Quellen stammen. Für Herkunftsnachweise, EEG-Vergütung, Grünstromprodukte und industrielle Dekarbonisierungsnachweise ist diese Unterscheidung erheblich. Die physische Nähe ersetzt keine energiewirtschaftliche Zuordnung. Wer die Klimawirkung oder die Förderfähigkeit bewerten will, muss prüfen, welche Strommengen gemessen, bilanziert und rechtlich welchem Ursprung zugeordnet werden.
Auch die gemeinsame Infrastruktur wird häufig zu einfach bewertet. Ein gemeinsamer Netzanschluss, ein gemeinsames Umspannwerk, gemeinsame Flächen und eine abgestimmte Anlagensteuerung können Investitionskosten senken. Gleichzeitig steigt die Komplexität. Netzbetreiber müssen Anschlussleistung, Schutztechnik, Blindleistungsbereitstellung und Betriebsführung bewerten. Betreiber müssen Messkonzepte, Vermarktung, Fahrpläne, Fernsteuerbarkeit und Verfügbarkeiten aufeinander abstimmen. Finanzierungspartner prüfen, ob Erlöse aus Erzeugung und Speicher getrennt oder gemeinsam abgesichert sind. Ein Co-located Storage ist deshalb kein bloßes Zusatzgerät, sondern verändert das Betriebsmodell der gesamten Anlage.
Für das Stromsystem ist Co-located Storage besonders dort relevant, wo erneuerbare Erzeugung schneller wächst als Netzinfrastruktur und flexible Nachfrage. Photovoltaik erzeugt zunehmend Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen, während abends weiterhin gesicherte Leistung und Energie benötigt werden. Batteriespeicher können diese Verschiebung über Stunden leisten, nicht über Wochen. Sie verbessern die kurzfristige Flexibilität, ersetzen aber keine saisonale Speicherlösung und keine gesicherte Leistung für längere Dunkelflauten. Der Begriff macht also eine konkrete Flexibilitätsoption sichtbar, erklärt aber nicht die gesamte Frage der Versorgungssicherheit.
Institutionell liegt der Konflikt oft dort, wo technische Möglichkeit, Marktregel und Zuständigkeit auseinanderfallen. Der Betreiber kann den Speicher marktlich optimieren, der Netzbetreiber benötigt verlässliche Informationen über Einspeisung und Last, die Regulierung definiert Entgelte, Umlagen, Messpflichten und Förderfähigkeit. Aus dieser Ordnung folgt, dass ein wirtschaftlich sinnvoller Speicherbetrieb nicht automatisch mit dem aus Netzsicht besten Betrieb übereinstimmt. Wenn Co-located Storage systemdienlich wirken soll, müssen Anschlussregeln, Preissignale und Abrechnung so gestaltet sein, dass lokale Knappheiten und überregionale Strompreise nicht gegeneinander arbeiten.
Co-located Storage bezeichnet damit keine eigene Speichertechnologie, sondern eine Anschluss- und Betriebskonstellation. Der Begriff ist präzise, wenn er die räumliche Nähe, den gemeinsamen Netzanschluss, die Messung, die Ladequellen und die Vermarktung mitdenkt. Seine Bedeutung liegt darin, dass Erzeugung, Speicher und Netzanschluss nicht mehr getrennt optimiert werden können, sobald fluktuierende erneuerbare Energien einen großen Teil der Stromversorgung tragen.