excerpt: Ein robustes Energiesystem verlässt sich nicht auf die Laune einer einzigen Wetterlage. Wind, Sonne und Wasser schwanken unterschiedlich; gerade diese Ungleichzeitigkeit macht den Mix wertvoll.

Warum ein Mix aus Erzeugungsarten sinnvoll ist

Heute ist der Jahresbericht 2025 von Courant d’Air, der Energieerzeugungskooperative, in der ich Mitglied bin, auf meinem Schreibtisch gelandet. Er zeigt sehr schön, warum es keine gute Idee ist, alles auf eine einzige Erzeugungsart zu setzen. Genau diesen Punkt versuche ich seit Jahren deutlich zu machen.

2025 war ein Jahr der Wetterextreme. Für die Windkraft war es kein besonders starkes Jahr. Die Produktion lag bei 28 067 MWh, erwartet waren 32 565 MWh. Das entspricht einer Abweichung von minus 16 Prozent. Die Windverhältnisse waren wechselhaft: Zu Jahresbeginn blieb es eher schwach, im Herbst wurde es deutlich stürmischer.

Bei der Photovoltaik sah es anders aus. Trotz eines düsteren Herbstes sorgten ein sehr sonniger Frühling und Sommer für eine starke Produktion. Die Solaranlagen erzeugten 811 MWh, erwartet waren 767 MWh. Das sind 5 Prozent mehr als der erwartete Durchschnitt und rund 21 Prozent mehr als im sehr schwachen Vorjahr.

Die Wasserkraft litt dagegen unter dem trockenen Jahr. Mit 620,6 mm Niederschlag gehörte 2025 zu den trockensten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen. Im Vorjahr waren es noch 1 170,7 mm gewesen. Entsprechend sank die Stromerzeugung aus Wasserkraft von 2 085 MWh im Jahr 2024 auf 1 056 MWh im Jahr 2025. Erwartet waren 1 372 MWh, erreicht wurden also 30 Prozent weniger.

Gerade diese Unterschiede sind der wichtige Punkt. Wind, Sonne und Wasser reagieren nicht gleich auf dasselbe Jahr. Ein trockenes Jahr schwächt die Wasserkraft, kann aber der Solarproduktion helfen. Ein windschwacher Zeitraum kann durch sonnige Phasen teilweise ausgeglichen werden. Ein nasses Jahr hilft der Wasserkraft, ist aber nicht automatisch ein gutes Solarjahr.

Die Gesamtproduktion von Courant d’Air lag 2025 bei 29 934 MWh. Das war weniger als in den sehr starken Jahren 2023 und 2024, aber weiterhin deutlich mehr als in den Jahren vor dem Ausbau der Erzeugung. Entscheidend ist nicht, dass jede Technologie in jedem Jahr gleich gut funktioniert. Genau das tut sie nicht. Entscheidend ist, dass ein breiter Erzeugungsmix Schwankungen abfedert.

Das sieht man auch am spezifischen Ertrag. Windkraft kam 2025 auf 1 739 kWh pro kW installierter Leistung, Photovoltaik auf 915 kWh pro kWp, Wasserkraft auf 2 298 kWh pro kW. Bei der Wasserkraft zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr besonders deutlich, wie stark Wetterlagen wirken: 2024 lag der spezifische Ertrag wegen der hohen Niederschläge bei 4 445 kWh pro kW, 2025 nur noch bei 2 298 kWh pro kW.

Für mich ist das eine einfache, aber wichtige Lehre: Versorgungssicherheit entsteht nicht dadurch, dass man eine Technologie zur alleinigen Lösung erklärt. Sie entsteht durch Kombination, Verteilung, Redundanz und gute Steuerung. Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft haben unterschiedliche Profile, unterschiedliche Stärken und unterschiedliche Schwächen. Zusammen ergeben sie ein robusteres System als jede Technologie für sich.

Genau deshalb sind Energiekooperativen wie Courant d’Air so interessant. Sie zeigen im Kleinen, was auch im Großen gilt: Eine nachhaltige Stromversorgung braucht nicht nur mehr erneuerbare Erzeugung. Sie braucht Vielfalt im System.


Die Onlineversion des Jahresberichts: https://www.courantdair.be/wp/de/jahresbericht-2025/