excerpt: Der Rekordausbau von Solar- und Windkraft im Jahr 2025 zeigt, wie stark erneuerbare Energien Länder und Unternehmen gegen fossile Preisschocks absichern können. Dabei wird deutlich, dass frühe Investitionen in Erneuerbare gerade in geopolitischen Krisen mehr Stabilität und geringere Abhängigkeiten schaffen.
Gute Nachrichten in unruhigen Zeiten: Wer früh auf Erneuerbare gesetzt hat, hat jetzt weniger Stress mit der Iran-Krise
Wenn geopolitische Krisen eskalieren, wird plötzlich wieder sehr sichtbar, wie teuer fossile Abhängigkeiten wirklich sind. Die aktuelle Eskalation rund um den Iran sorgt an den Energiemärkten für neue Nervosität. Gaspreise reagieren empfindlich, Lieferketten geraten unter Druck und importabhängige Volkswirtschaften zahlen am Ende die Rechnung.
Umso wichtiger ist eine gute Nachricht, die in dieser Lage fast schon beruhigend wirkt: Die Welt hat 2025 so viel Solar- und Windkraft zugebaut wie nie zuvor.
Laut neuen Daten des Energy-Thinktanks Ember wurden im Jahr 2025 weltweit 814 Gigawatt neue Solar- und Windkraft installiert. Das sind 17 Prozent mehr als 2024. Insgesamt liegt die installierte Leistung von Solar- und Windkraft damit jetzt bei 4.174 Gigawatt, also bei mehr als 4 Terawatt.
Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl. Es ist auch ein handfester Schutzschild gegen fossile Preisschocks.
Erneuerbare sind nicht nur Klimaschutz. Sie sind Krisenschutz
Die neuen Anlagen aus dem Jahr 2025 allein können jedes Jahr rund 1.046 Terawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht mehr als einem Siebtel der weltweiten Stromerzeugung aus Gas, oder fast dem 1,8-Fachen der jährlichen LNG-Exporte Katars.
Bei heutigen Marktpreisen entspricht das vermiedenen Gasimporten im Wert von rund 138 Milliarden Dollar pro Jahr.
Noch konkreter wird es mit Blick auf die aktuelle Eskalation rund um den Iran. Seit Beginn dieser militärischen Eskalation hat die weltweit bereits installierte Solar- und Windkraft laut Ember schon jetzt die Erzeugung von rund 330 Terawattstunden Gasstrom ersetzt. Das entspricht potenziellen Einsparungen von mehr als 40 Milliarden Dollar.
Die Botschaft ist Sonnenklar: Länder, Regionen und Unternehmen, die früh auf Erneuerbare gesetzt haben, stehen heute stabiler da. Sie sind weniger ausgeliefert, wenn fossile Märkte verrückt spielen.
Solar zieht davon, Wind legt stark zu
Besonders Solar wächst weiter mit enormem Tempo. 2025 wurden weltweit 647 Gigawatt neue Solarkapazität installiert. 2024 waren es noch 582 Gigawatt. Das ist ein Plus von 11 Prozent in nur einem Jahr. Ende 2025 lag die weltweit installierte Solarkapazität damit bei fast 2.900 Gigawatt.
Auch Wind hat deutlich zugelegt. Der Ausbau sprang von 113 Gigawatt im Jahr 2024 auf 167 Gigawatt im Jahr 2025. Das ist ein Plus von 47 Prozent. Die weltweit installierte Windkapazität liegt damit nun bei rund 1.300 Gigawatt.
Für jedes neu installierte Gigawatt Wind kamen 2025 fast 4 Gigawatt Solar hinzu. Das zeigt, wie stark Solar inzwischen zum Arbeitspferd der globalen Stromwende geworden ist.
Die eigentliche Lehre aus der Krise
In jeder fossilen Krise tauchen dieselben Reflexe wieder auf. Mehr Gas. Neue Deals. Noch mehr Importinfrastruktur. Noch mehr Abhängigkeit, nur diesmal von jemand anderem.
Doch die eigentliche Lehre ist eine andere: Wer in den vergangenen Jahren konsequent Solar, Wind, Netze, Speicher und Flexibilität ausgebaut hat, muss heute weniger panisch reagieren.
Erneuerbare machen Energie nicht nur sauberer. Sie machen sie kalkulierbarer, regionaler und sicherer. Sonnenlicht und Wind müssen nicht durch geopolitische Krisengebiete transportiert werden und unterliegen keinem Weltmarktpreis, der über Nacht explodiert. Und sie entziehen autoritären Regimen einen Teil ihrer energiepolitischen Macht.
Gerade in Zeiten wie diesen zeigt sich deshalb, dass die Energiewende kein Luxusprojekt für gute Zeiten ist. Sie ist Vorsorge für schlechte Zeiten.
Gute Nachrichten, die man ernst nehmen sollte
814 Gigawatt neuer Solar- und Windkraft in nur einem Jahr sind mehr als eine Erfolgszahl. Es ist ein Signal. Die globale Energiewende ist nicht stehen geblieben. Sie beschleunigt sich.
Und das ist vielleicht die beste Nachricht inmitten einer neuen fossilen Krisenlage: Je mehr Erneuerbare im System sind, desto geringer ist der Stress, wenn Öl und Gas wieder zum geopolitischen Druckmittel werden.
Wer früh umgebaut hat, zahlt heute weniger. Wer weiter bremst, bleibt verwundbar.
Die Iran-Krise erinnert uns gerade brutal daran, dass Energiesouveränität nicht auf Pipelines wächst, sondern auf Dächern, Feldern, in Netzen und Speichern.
Die Energiewende ist keine Reaktion auf Krisen. Sie entscheidet darüber, wie stark sie uns treffen.